Bühnenbeleuchtung von der Skizze bis zur Show: So plane ich Licht für Veranstaltungen

Wenn ich ein neues Projekt übernehme, lautet die erste Frage nie, welche Scheinwerfer wir einsetzen. Die erste Frage lautet: Was soll das Publikum fühlen? Licht ist bei einer Veranstaltung kein Dekor, sondern Dramaturgie – es lenkt Blicke, baut Spannung auf und entscheidet mit darüber, ob ein Moment hängen bleibt. Nach fünfzehn Jahren in der Veranstaltungstechnik plane ich Bühnenbeleuchtung deshalb konsequent vom Konzept her, nie vom Gerätepark.

Wie so eine Planung Schritt für Schritt abläuft, zeige ich hier an einem typischen Projekt. Die Reihenfolge bleibt dabei immer gleich, egal ob Stadtfest, Firmengala oder Clubkonzert.

Phase eins: Das Konzept – Fragen vor Watt

Welche Geschichte soll der Abend erzählen? Am Anfang steht deshalb ein Gespräch, kein Lichtplan. Welche Art von Veranstaltung ist geplant, wie groß ist der Raum, sprechen wir über eine Bühne von acht oder von zwanzig Metern Breite? Ein Firmenevent mit Vorträgen braucht vor allem sauberes, blendfreies Frontlicht und ein ruhiges Bild für die Kamera. Ein Konzert lebt dagegen von Gegenlicht, satten Farben und Bewegung. Wer diese Fragen überspringt, mietet oder kauft fast immer das Falsche.

Persönlich finde ich Moodboards in dieser Phase nützlicher als jede technische Liste: drei, vier Referenzbilder mit dem Kunden durchgehen, und plötzlich reden alle über dieselbe Show. Aus den Bildern entsteht anschließend die Lichtstimmung pro Programmpunkt – warm und ruhig zur Begrüßung, hart und kontrastreich für den Act danach. Ein einziges geteiltes Bild verhindert dabei mehr Missverständnisse als drei Seiten Technikjargon.

Phase zwei: Aus Stimmung wird Stückliste

Jetzt beginnt die eigentliche technische Planung.

Für eine mittelgroße Stadthallenbühne lande ich selten unter 24 Geräten: Frontlicht von der Traverse, Gegenlicht in zwei Reihen, Floorspots für die Tiefe, dazu zwei bis vier Moving Heads für Effekte. Moderne LED-Scheinwerfer ziehen dabei erfreulich wenig Strom und entwickeln kaum Wärme – eine komplette Front läuft heute problemlos über einen einzelnen 16-Ampere-Kreis, wofür früher ein Drehstromanschluss fällig war.

Gesteuert wird über DMX. Ein Universum umfasst 512 Kanäle, und bei Moving Heads mit zwanzig oder mehr Kanälen pro Gerät ist das schneller voll, als mancher denkt; eine saubere Kanalliste samt Adressplan gehört deshalb in jede Projektmappe. Genauso ernst nehme ich Rigging und Sicherheit: Jede Traverse hat eine Traglastgrenze, jeder Scheinwerfer braucht ein Safety, und die Lastverteilung wird vor dem Aufbau gerechnet, nicht währenddessen.

Viele sind überrascht, dass Nebel fest zum Konzept gehört. Ohne Dunst bleibt der schönste Beam unsichtbar, denn Licht braucht Partikel in der Luft, um als Strahl zu erscheinen. Eine Nebelmaschine oder ein Hazer steht darum bei jedem konzertartigen Format auf meiner Liste. Wichtig ist nur, vorher die Brandmeldeanlage der Location abzuklären, sonst endet die Generalprobe mit einem Feuerwehreinsatz.

Phase drei: Umsetzung, Probe und Plan B

Kein Lichtkonzept überlebt den ersten Aufbautag unverändert. Vor Ort ist die Decke niedriger als gezeichnet, der Stromanschluss liegt weiter weg als besprochen, oder die Bühne ist dreißig Zentimeter höher als gedacht. Gute Bühnenbeleuchtung entsteht deshalb erst in der Probe: Positionen fokussieren, Szenen programmieren, Übergänge mit dem Ablauf des Abends abgleichen. Für eine Abendshow mit Band kalkuliere ich mindestens vier Stunden reine Einleuchtzeit.

Bleibt der Plan B. Ein Dimmer fällt aus, eine Funkstrecke streikt, ein Moving Head bleibt mitten in der Show hängen – die Frage ist nie, ob etwas ausfällt, sondern wann. Zwei Ersatzgeräte und ein schlichtes Notlicht-Preset gehören darum immer ins Gepäck, damit die Veranstaltung im Zweifel sicher weiterläuft. Beim Stadtfest im vergangenen Sommer hat uns genau das den Abend gerettet, als um 21 Uhr ein Netzteil aufgab.

Ehrlich gesagt trennt genau diese Redundanz den Profi vom ambitionierten Einsteiger. Sie kostet ein paar Prozent des Budgets und rettet im Ernstfall den kompletten Abend.

Beschaffung: klein anfangen, sauber erweitern

Am Ende steht die Frage nach dem Material. Für wiederkehrende Formate rechnet sich Kauf statt Miete oft schon nach wenigen Terminen, gerade bei langlebigen LED-Scheinwerfern. Beim Zusammenstellen schaue ich gern bei SoundStoreXL vorbei, weil dort vom Einsteigerset bis zur Tourware ein breites Sortiment an Licht- und Tontechnik zu fairen Preisen versammelt ist.

Wer seine erste Bühnenbeleuchtung zusammenstellt, startet am besten überschaubar: solides Frontlicht, zwei Farbwechsler, ein Hazer und eine einfache Steuerung. Damit lässt sich bereits erstaunlich viel Wirkung erzielen, und erweitern kann man das System Stück für Stück, sobald die Anforderungen wachsen. Meiner Erfahrung nach gilt ohnehin: Am Konzept wird zuerst gearbeitet, an der Technik zuletzt gespart – diese Reihenfolge hat mich in fünfzehn Jahren nie im Stich gelassen.